Archiv für Februar 2010

The Correct Use of Soup – der etwas andere Karriere Tipp

Als Headhunter,so denkt man, muss man einem Kandidaten, der den Sprung in die Führungsebene bereits geschafft hat, den Knigge eigentlich nicht mehr vorlesen. Dennoch stellt man immer wieder fest, dass meist jüngere Führungskräfte, speziell diejenigen, die aufgrund irgendwelcher Spezialkenntnisse sehr schnell aufgestiegen sind,  in Sachen Benimm die eine oder andere Nachhilfe benötigen könnten.

Nicht selten erlebt man Fälle, in denen die Kandidaten aufgrund ihres Lebenslaufes und ihres selbstsicheren Auftretens schon alle Hürden genommen haben und beim Business Lunch mit dem zukünftigen Chef eigentlich nur noch die Formalitäten besprochen werden sollen. Aber wie gesagt: eigentlich…

Die wirklichen Stolpersteine liegen dann aber nicht auf dem Schreibtisch des neuen Vorgesetzten, sondern auf dem Esstisch. Die Reihenfolge des Bestecks ist  dabei meist nicht das, was den Kandidaten zu Fall bringt (Regel Nummer eins: Besteck von außen nach innen, und: das iPhone gehört NICHT neben das Besteck auf den Tisch, auch wenn man das aus dem Privatleben mittlerweile so gewohnt ist).

Es sind in den meisten Fällen die mangelnde Kommunikation oder aber auch die übertriebene Redseeligkeit, die ein Vorstellungsgespräch zum „Kippen“ bringen können. Regel Nummer zwei: niemand stellt gerne einen Schwätzer ein. Gerade aber beim Essen in der vermeintlich „sicheren“ Atmosphäre vergessen Kandidaten dann doch gerne mal, dass sie noch keinen neuen Arbeitsvertrag in der Tasche haben und dass das Restaurant, in dem man gestern vielleicht noch mit Freunden war, heute ein “Kriegsschauplatz” mit genauen Beobachtern ist.

Regel Nummer drei: Unerfahrenheit kann durch Lernen und Üben kompensiert werden, Unsicherheit und zaghaftes Auftreten allerdings nicht oder nur schwer.

Regeln Nummer vier: der Teufel steckt im Detail. Wenn sich ein Kandidat darauf konzentriert, bei Tisch alles richtig zu machen, dann kann man sicher sein, dass es die Kleinigkeiten sein werden, die ihn zu Fall bringe. Meist ist es so, dass die kulinarisch Ungeübten das Besteck zu tief halten und damit eine Gabel zur Forke werden lassen. Dies würde der zukünftige Arbeitgeber ja noch verzeihen, aber meist wird dann in einer unkontrollierten Sekunde noch „lässig“ das Messer durch den Mund gezogen, um die hervorragende Sauce genießen zu können.

Und das ist es dann, was dem Arbeitgeber Sorgen bereitet, ob er den zukünftigen Mitarbeiter auf die Kunden loslassen kann, ohne Befremden auszulösen (die drohende Verletzungsgefahr steht dabei deutlich im Hintergrund der Überlegungen). Und noch bevor der Nachtisch bestellt wird, ist die Entscheidung gefallen und kurz nach dem Espresso bekommt der Headhunter den Anruf, dass er doch noch ein wenig Ausschau halten solle…